Der Fremdling in deiner Stadt

Die Stadt Leipzig hatte im März 2014 etwa 533.000 Einwohner. Davon waren etwa 30.000 Menschen Ausländer – das sind etwa 5,6%. Wenn man Migranten dazu zählt, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft haben, sind es zwischen 8 und 9%. Zur Zeit leben etwa 2.600 Asylsuchende und Geduldete in Leipzig. In 2014 wurden 1232 Flüchtlinge Leipzig zugewiesen. Das ist etwa doppelt so viel wie in 2013.

Die meisten Flüchtlinge kommen derzeit aus Syrien wegen des Bürgerkriegs und des Konflikts mit dem Islamischen Staat. Aber es kommen auch viele aus der russischen Föderation, aus Serbien, Indien und Tunesien.

Durch die Demonstrationen in den vergangenen Monaten wurden verstärkt Flüchtlinge in den Blick gerückt und Fragen gestellt, wie in Deutschland mit Asylsuchenden und Flüchtlingen umgegangen wird bzw. umgegangen werden sollte. Die einen fordern schärfere Asylgesetze, die anderen fordern Weltoffenheit – und teilweise wird auf beiden Seiten der christliche Glaube als Begründung der jeweiligen Position herangezogen.

Als Christ bin ich der Auffassung, dass eine christliche Position auf der Grundlage der Bibel stehen muss. Eine umfassende Betrachtung wäre an dieser Stelle zu umfangreich. Ich möchte den Blick auf den Kern richten, nämlich zunächst auf ein Zitat aus dem Alten Testament und auf eine Begründung aus dem Neuen Testament. Beide Zitate zeigen, dass die Grundlage für meinen Umgang mit Ausländern ist, wie Gott mit mir umgeht.
In 3.Mose 19,33-34 sagt Gott:

Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.

Das hebräische Wort, was Luther mit „Fremdling“ übersetzt, bedeutet Ausländer. Dieses Gebot beschreibt nicht in erster Linie, wie sich unser Staat gegenüber Ausländern verhalten sollte, sondern wie sich der einzelne Gläubige gegenüber Ausländern verhalten sollte. Diese Gebote sind dem Volk Gottes gesagt. Es geht darin um weit mehr als nur den politischen Umgang mit Ausländern. Es geht primär um den persönlichen Umgang mit Ausländern.

Gott sagt uns zunächst, was wir nicht tun sollen. Gott sagt: „Ihr sollt den Fremdling nicht bedrücken.“ Nicht bedrücken beinhaltet ganz sicher, dass wir Ausländer nicht ausbeuten sollen. Aber „nicht bedrücken“ schließt sicher auch andere Dinge ein. Zum Beispiel: Wie reden wir über Ausländer? Leider werden den meisten Deutschen vermutlich ohne langes Nachdenken Schimpfwörter zu den verschiedenen Ausländergruppen einfallen. Die meisten haben vermutlich Gespräche gehört oder sich sogar daran beteiligt, in denen über Ausländer hergezogen wurde und für Ausländer Schimpfwörter benutzt wurden.